Abiturprüfung 2000 (Bayern)

Geschichte

als Leistungskursfach

Aufgabe I

DIE AUSEINANDERSETZUNG MIT NATIONALSTAATLICHEN UND
FREIHEITLICH-DEMOKRATISCHEN GRUNDVORSTELLUNGEN IN
DEUTSCHLAND

1 Legen Sie dar, wie das NS-Regime im Jahr 1933 die in dem beigefügten Leitartikel aus dem "Völkischen Beobachter" formulierten Zielvorstellungen umsetzte! 10 BE
 
 
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2.1 Erarbeiten Sie aus dem Text Elemente der nationalsozialistischen Führerideologie!  
2.2 Untersuchen Sie, welche Traditionen und Erfahrungen zur Attraktivität von Führergestalten in der Weimarer Zeit beitrugen!  
 
 
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3.1 Klären Sie, in welcher Weise und mit welcher Intention die im Text genannten historischen Bezugspunkte der Reichsgründung 1871 und des 9. November 1918 von Rosenberg als geschichtliche Argumente verwendet werden!  
3.2 Diskutieren Sie, ob sich die Reichsgründung 1871 einerseits und der 9. November 1918 andererseits als Ansatzpunkte einer Traditionsbildung für das heutige Deutschland eignen!  
 

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Leitartikel Alfred Rosenbergs im NSDAP-Parteiorgan "Völkischer Beobachter" vom 31. Januar 1933 (Hervorhebungen wie im Original)

Der Grundstein zum Dritten Reich

Der 30. Januar 1933 wird einmal eingehen in die Geschichtsschreibung als ein Tag, der ei-
nen historischen Umschwung der deutschen Entwicklung darstellt.
Nach 14 Jahren unerhörtester Opfer und Arbeit steht Adolf Hitler heute an jener Stelle, die
ihm seit langem gebührte. Ein Gefühl unbändigen Stolzes geht durch alle Millionen jener,
deren Sehnsucht, Kampf und Hingabe diese Jahre über im Zeichen des Willens stand, die
Schande vom 9. November 1918
zu sühnen, die wussten, dass Deutschland in dieser
Schande nicht untergehen konnte, dass die Geschichte der Deutschen damit nicht zu Ende
sein konnte. Und aus dieser seelischen und materiellen Not erwuchs der Nation ihr Führer,
dessen Schicksal ihn aus den selbst erlebten Nöten des deutschen Arbeitertums hinführte
zum Schicksalskampf von 1914, und aus diesem Frontsoldatentum, nach dem Dolchstoß der
Novemberverbrecher, zum politischen Kampf um die Erneuerung seines Volkes.
Adolf Hitler wurde die Charaktererneuerung, die die deutsche Nation in letzter Stunde an
sich selbst vornahm, Gleichnis des deutschen Widerstandswillens, einer großen Zukunfts-
hoffnung.
Denn das Entscheidende war, dass diese große nationalsozialistische Volksbewegung nie-
mals im Zeichen der Verzweiflung, sondern stets im Zeichen eines großen Glaubens ge-
standen hat - sie fühlte von Jahr zu Jahr tiefer und bewusster, dass in ihr Ströme deutscher
Sehnsüchte zusammenliefen, weit aus vergangenen Jahrhunderten: aus den Bauernkriegen,
aus dem friderizianischen Preußen, aus den gesunden Quellen der Arbeiterbewegung des
19. Jahrhunderts. Der Glaube an die geschichtliche Sendung, das war jener Wille, der den
Führer und seine Bewegung nimmer müde werden ließ, der über alle Widerwärtigkeiten und
Anfechtungen triumphierte. Dieser Glaube wurde immer wieder gefestigt, wenn wir unsere
Gegner am Werke sahen, deutsches Wesen zu untergraben, und immer mehr überzeugt
wurden, wie tief innerlich berechtigt und lebensnotwendig der Kampf der nationalsozialisti-
schen Bewegung war.
Wenn der " Vorwärts", das Blatt der Novemberverbrecher, es sogar noch am 30. Januar
1933 wagte, Adolf Hitler den "Bandenführer gegen die deutsche Arbeiterbewegung" zu nen-
nen, so zeigt allein schon diese Tatsache, wie frech sich die Feinde der deutschen Freiheit
nach 14 Jahren ihrer Misswirtschaftsregierungen noch aufzuführen wagten.
Jetzt ist Schluss mit der Hetze dieser Elemente, jetzt wird auf allen Gebieten das Sauberma-
chen beginnen, der Schutz der nationalen Ehre, der Schutz der Nation wieder hergestellt
werden.
Wie wir hören, ist die entscheidende Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem Reichsprä-
sidenten in herzlichster Form vor sich gegangen. Und gleich nach der Betrauung konnte
dann auch die Vereidigung vorgenommen werden, so schnell hat sich noch niemals ein Ka-
binett gebildet.
Das ganze junge Deutschland rechnet es dem greisen Reichspräsidenten von Hindenburg
ehrfurchtsvoll zu hoher Ehre an, dass er über manche Missverständnisse in der Vergangen-
heit hinweg die Zukunft seines Volkes im neuen Reichskanzler Adolf Hitler gegrüßt
hat.
Er hat, einst Zeuge in Versailles 1871, heute selbst ein Fundament zum Dritten Reiche ge-
schaffen. Diese Tat wird ihm die hohe Befriedigung seines Lebensabends geben und als
denkwürdiger Akt von der deutschen Geschichte vermerkt werden.
Denn in der prunklosen Stille des Mittags vom 30. Januar 1933 wurde der Grundstein zum
Neubau des neuen Deutschlands gelegt.
Das ist es, was jetzt in das Bewusstsein aller Deut-
schen eingehen muss, bei denen innerhalb der heutigen Grenzen und bei den anderen auf
dem ganzen Erdball.
[...]
An diesem heutigen Tage der Erfüllung der ersten großen Etappe des deutschen Freiheits-
kampfes, da grüßen wir in aller Treue unseren Führer, der er immer bleiben wird, den
Reichskanzler Adolf Hitler.

   
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