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Auszüge aus David
Lloyd Georges Denkschrift an Clemenceau und
Wilson
vom 25. März 1919, dem so genannten
Fontainebleau-Memorandum
Wir werden nie einen
dauernden Frieden machen können, wenn wir
versuchen, die
Verhältnisse von 1914 wiederherzustellen. Aber
die Gefahr besteht, dass wir die
Volksmassen in ganz Europa den Extremisten in die
Arme treiben, deren einziger
Plan zur Neuzeugung der Menschheit die äußerste
Zerstörung des ganzen beste-
henden Gesellschaftsbaus ist. Diese Männer haben
in Russland triumphiert. [...]
Die größte Gefahr, die ich in der
gegenwärtigen Lage sehe, ist die, dass
Deutschland
sich mit dem Bolschewismus zusammentun und seine
Hilfsmittel, seinen Verstand,
seine breite Organisationskraft zur Verfügung
der revolutionären Fanatiker stellen
könnte, deren Traum ist, die Welt mit
Waffengewalt für den Bolschewismus zu er-
obern. [...]
Wenn Deutschland zu den Spartakisten überläuft,
ist es unausbleiblich, dass
Deutschland sich mit den russischen Bolschewisten
zusammentut. Tritt das ein, so
wird ganz Osteuropa in den Kreis der
bolschewistischen Revolution verschlungen,
und über ein Jahr sind wir vielleicht Zeugen des
Schauspiels von fast dreihundert
Millionen Menschen, die, in einer großen roten
Armee unter deutschen lnstruktoren
und deutschen Generalen organisiert, mit
deutschen Kanonen und deutschen Ma-
schinengewehren ausgerüstet, zur Erneuerung des
Angriffs auf Westeuropa bereit
sind. [...] Wenn wir weise sind, werden wir
Deutschland einen Frieden anbieten, der,
während er gerecht ist, für alle vernünftigen
Leute vor der Alternative des Bolsche-
wismus den Vorzug zu verdienen scheint. Ich
würde deshalb in den Vordergrund des
Friedens die Versicherung stellen, dass wir
Deutschland, sobald es unsere Bedin-
gungen, besonders den Schadensersatz, annimmt,
wir ihm die Rohstoffe und die
Märkte der Welt zu den gleichen Bedingungen, wie
sie für uns selbst gelten, öffnen
und alles Mögliche tun wollen, um dem deutschen
Volk zu helfen, dass es wieder auf
seine Füße kommt. Wir können nicht zugleich
Deutschland verkrüppeln und erwar-
ten, dass es uns bezahlt. [...]
Von jedem Gesichtspunkt aus scheint es mir
deshalb, dass wir versuchen müssten,
eine Friedensregelung abzufassen, als ob wir
unparteiische Schiedsrichter wären,
ohne Erinnerung an die Leidenschaften des Kriegs.
Diese Regelung sollte drei Ziele
im Auge haben. Zuallererst muss sie den
Alliierten Gerechtigkeit widerfahren lassen,
indem sie die Verantwortlichkeit Deutschlands
für die Entstehung des Krieges und für
die Art, in der er ausgefochten wurde, in
Rechnung zieht. Zweitens muss es eine
Regelung sein, die eine verantwortliche Deutsche
Regierung im Glauben an die
Möglichkeit der Erfüllung der übernommenen
Verpflichtungen unterschreiben kann.
Drittens muss es eine Regelung sein, die in sich
selbst keine Neigung zu künftigen
Kriegen enthält und die eine Alternative zum
Bolschewismus bildet, weil sie sich der
vernünftigen allgemeinen Meinung als eine
billige Regelung des europäischen Prob-
lems darstellt.
Es genügt aber nicht, einen gerechten und
weitsichtigen Frieden mit Deutschland zu
entwerfen. Wenn wir Europa eine Alternative zum
Bolschewismus bieten wollen,
müssen wir den Völkerbund zu etwas machen, was
zugleich ein Schutz ist für die
Nationen, die zu ehrlichem Verkehr mit ihren
Nachbarn gewillt sind, und eine Dro-
hung gegen diejenigen, die das Besitzrecht ihrer
Nachbarn stören möchten, ob sie
nun imperialistische Imperien oder
imperialistische Bolschewisten sind.
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